Pflegeroboter: Eine Lösung für den Pflegemarkt? - DasPflegePortal.de

Geht es nach den Wissenschaflern, werden Pflegeroboter in Zukunft Alte und Kranke betreuen. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt unaufhörlich. In 15 Jahren wird jeder dritte Deutsche betroffen sein. Der Berufsverband für Pflegeberufe spricht bereits von einem Kollaps in der Pflege: Laut einer von ihm durchgeführten Umfrage betreut eine Fachkraft täglich im Krankenhaus 23 Patienten und im Seniorenheim 28.

4,6 Millionen Pflegebedürftige bis 2060

Pflegedienstmitarbeiter sind laut einer Studie des Dachverbandes Betriebskrankenkassen (BKK) überdurchschnittlich oft krank. Gleichzeitig wählen immer weniger junge Menschen den Pflegeberuf, was unkonventionelle Lösungen erfordert.

Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zufolge werden im Jahr 2060 4,6 Millionen Deutsche pflegebedürftig sein. Pflegeroboter setzen diesem Trend alltagstaugliche Lösungen entgegen.

Diese Maschinen sind so konzipiert, dass sie eine Pflegekraft oder Angehörige beim Pflegedienst unterstützen.

  • Es existieren bereits Pflegeroboter, die kleine Dienste wie das Reichen von Medikamenten erledigen, einen Notruf absetzen oder dem Patienten beim Aufrichten aus dem Bett helfen.
  • Für Patienten stellt ein Pflegeroboter eine Möglichkeit dar, bei Waschungen auch bettlägerig die Intimsphäre zu bewahren.
  • Manche Pflegeroboter werden auf bestimmte Tätigkeiten programmiert, bei anderen handelt es sich um lernfähige Systeme.

Pflegeroboter sind vielseitige Helfer

Pflegeroboter gibt es seit rund zehn Jahren. Japan hat bei der Entwicklung eine entscheidende Rolle gespielt. So kann das seit 2015 existierende Modell „Robear“ Patienten vom Bett in den Rollstuhl heben.Ein anderer Roboter namens Twendy-One hilft bei Arbeiten im Haushalt und Jaco, der nur aus einem Arm mit drei Fingern besteht, besorgt Senioren alles innerhalb seiner Reichweite. Manche Pflegeroboter arbeiten autark, andere mit einem Pflegedienst im Team. Andere kommen in Form niedlicher Tiere daher und helfen Demenzkranken dabei, so gut es geht, geistig rüstig zu bleiben. Solche Tierroboter unterstützen Pflegekräfte dabei, einen Zugang zu ihren Patienten herzustellen.

pflegeroboter

Laut Forschungsergebnissen nimmt die Hirnaktivität von Demenzkranken nachweislich zu, wenn sie mit einem Pflegeroboter interagieren.

Japan ist in der Entwicklung und als Pflegeroboter Hersteller Weltmarktführer. Firmen wie Riken, Toshiba, Panasonic und Toyota haben mit humanoiden Robotern Vorstöße im Pflegebereich gewagt.

Roboter sind kein Ersatz für Menschen

  • Fraunhofer-Institut

    In Deutschland forscht das renommierte Fraunhofer-Institut zum Theme künstliche Intelligenz in der Pflege. Jüngster Coup: Casero 4, ein intelligenter Pflegewagen, der das Personal unterstützt und selbstständig zu Einsatzorten fährt.

  • Elevon-Projekt

    Das Elevon-Projekt forscht an einem Roboter, der Bettwäsche wechseln kann oder beim Baden und Umsetzen im Rollstuhl hilft. In Seniorenheimen und Unikliniken werden die Maschinen aktuell auf Alltagstauglichkeit getestet.

  • Roboter Pepper

    Der 2018 im Rahmen des Berliner Wissenschaftsjahres vorgestellte Roboter Pepper aus Halle wird Patienten auf Untersuchungen vorbereiten oder ihnen Gymnastikübungen erklären.

Angesichts der Tatsache, dass ein Roboter 2015 versucht hatte, einen japanischen Senior zu erwürgen, stellen sich ethische Fragen. Wer trägt die Verantwortung, wenn die Maschine versagt? Wie ist es um die Selbstbestimmung eines Patienten bestellt? Menschliche Zuwendung durch eine Pflegekraft können und sollen die Roboter nicht ersetzen, sind sich die Forscher einig.

In zehn Jahren möglicherweise Realität

Die Einsatzfähigkeit der Pflegeroboter ist noch begrenzt. Doch die Entwicklung künstlicher Intelligenz schreitet rasant voran. Was heute wie eine Vision erscheint, könnte in zehn Jahren zur Realität werden. Die Roboter stellen ein Milliardengeschäft dar. Momentan verhindern die Pflegeroboter Kosten einen breiten Einsatz. Schon ein simpler Roboterarm für Handlangerdienste kostet 100.000 Euro.